1 Allgemeines

1.1 Bezeichnung

Wissenschaftlicher Name
Triticum L.
In Mitteleuropa angebaute Arten des Weizens
  • T. aestivum L. (Weichweizen)
  • T. durum Desf. (Hartweizen)
  • T. spelta L. (Dinkel)
  • T. turgidum L. (Rauweizen/Nacktweizen)

Neben Reis und Mais haben die Weizenarten die größte Bedeutung für die menschliche Ernährung 1.Weltweit beläuft sich die Anbaufläche auf 220 bis 230 Mio. ha, die Weizenerzeugung auf ca. 530 bis 560 Mio. t. Auch in Deutschland nimmt der Winterweichweizen die Spitzenstellung unter den Getreidearten ein. Die Anbaufläche liegt in Deutschland bei etwa 2,7 Mio. ha, entsprechend 40% der Getreidefläche 2

1.2 Wurzeln

Die größte Wurzelmasse hat die Weizenpflanze beim Ährenschieben!3 Danach verringert sich wieder die Wurzeltrockenmasse durch Absterben und Umsetzung der Wurzeln.

2 Entwicklungsstadien

nach KÜBLER 1994?4

  1. Keimung
    • von Aussaat bis zum Auflaufen: Keimscheide durchbricht die Bodenoberfläche
  2. Blattentwicklung
    • Entfaltung der Laubblätter (9 und mehr)
    • Bestockung kann bereits ab dem 3-Blatt-Stadium erfolgen
  3. Bestockung
    • Ausbildung der Bestockungstriebe (9 und mehr)
    • Schossen kann aber schon früher einsetzen
  4. Schossen (Haupttrieb)
    • Beginn des Schossens: Haupttrieb und Bestockungstriebe sind stark aufgerichtet und beginnen, sich zu strecken
    • Ende des Schossens: Erscheinen des letzten Blattes (Fahnenblatt) und der folgenden vollen Entwicklung des Fahnenblattes
  5. Ährenschwellen
    • Blattscheide des Fahnenblattes beginnt anzuschwellen
    • erste Grannenspitzen der Ähre werden sichtbar
  6. Ährenschieben
    • Ähre tritt seitlich aus der Blattscheide heraus und wird vollständig sichtbar
  7. Blüte
    • Staubbeutel werden sichtbar
  8. Fruchtbildung
    • Körner erreichen ihre endgültige Größe
    • Milchreife: Körner sind noch grün und ihr Inhalt ist milchig
  9. Samenreife
    • Teigreife: Korninhalt ist noch weich, aber trocken; Fingernageleindruck reversibel
    • Gelbreife: Fingernageleindruck irreversibel
    • Vollreife: Korn ist hart und kann nur schwer mit dem Daumennagel gebrochen werden
  10. Absterben
    • Totreife: Korn kann nicht mehr mit dem Daumennagel eingedrückt bzw. nicht mehr gebrochen werden
    • vollständiges Absterben der Pflanze

Eine weitere schöne Übersicht bietet die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen an.

3 Ansprüche

Der Winterweizen hat einen mittlerer Transpirationskoeffizient von 5006,7. Für die Ertragsbildung ist eine kontinuierliche Wasserversorgung von entscheidender Bedeutung. Schon bei zeitweiligem Mangel kann Wasser zum ertragsbegrenzenden Faktor werden.
Die Wasservorräte werden hauptsächlich in der Hauptwachstumsphase während des Schossens mit bis zu 5 mm täglich beansprucht.5 Für die Kornausbildung ist die Dauer der Kornfüllungsphase entscheidend.8 Kühlere Temperaturen und gleichmäßige Wasserversorgung wirken positiver auf Kornausbildung als häufige Sommertrockenheit, die der Kornfüllung ein rasches Ende setzen kann.

Charakteristisch für die Ertragsbildungsprozesse beim Weizen ist die Umweltabhängigkeit der Ährchenzahl pro Ähre, die unter ungünstigen äußeren Bedingungen (Wasser, Nährstoffe) ertragswirksam abnehmen kann. Von den zunächst mehr als 6 Blüten je Ährchen verbleiben zu Blühbeginn 2-4 befruchtungsfähige Blüten je Ähre, sodass selten mehr als 3 Körner je Ährchen ausgebildet werden.
Nach der Winterruhe setzen die Wachstumsprozesse bei 5 bis 6°C wieder ein (Vernalisationsreiz durch Temperaturen um 1-5°C über 40-80 Tage) und es beginnt eine Enthärtung. Infolgedessen werden die Bestände gegen plötzliche Kälterückschläge empfindlich, die sich in der Ertragsstruktur durch geringeren Kornansatz bemerkbar machen. Im weiteren Wachstumsverlauf liegen die Optimaltemperaturen zwischen 15 und 20°C. In den Reifestadien sind hohe Temperaturen und trockene Witterung ab der Gelbreife für den Ausreifeprozess entscheidend, weil in dieser Phase die Austrocknung der Körner passiver Natur ist.5

Die hohen Ansprüche des Weizens bestehen in ausgeglichenem Wasser- und Lufthaushalt sowie hohem Nährstoffnachlieferungsvermögen des Bodens. Wintermildes, sommerwarmes und strahlungsintensives Klima ist erwünscht.9

Weizen reagiert stark auf die Fruchtfolgestellung:9

  • am besten geeignet: Körnerleguminosen, Raps, Hackfrüchte
  • mittel geeignet: mehrjährige Futterpflanzen, Silomais
  • schlecht geeignet: Wintergetreidearten

4 Anbauparameter

nach 10

  • nutzbares Ertragspotential (in Dtl.!): 85 dt/ha
  • Durchschnittserträge: >70 dt/ha
  • optimale Ertragsstruktur:
    • 200-500 Keimpflanzen/m²
    • 600-1400 Tribe/m²
    • 350-700 Ähren/m²
    • 24-42 Körner/Ähre
    • 40-50 g TKG

5 Weizensorten

5.1 Winterweizen

5.1.1 Pamier

5.1.1.1 Eigenschaften
  • Qualitätsstufe A
  • ertragreich
  • sehr kurz und standfest
  • sehr gute Blatt- und Ährengesundheit


5.1.1.2 Beschreibung

PAMIER ist ein neuer Qualitätsweizen, der im April 2008 in Deutschland zugelassen wurde.

Besonders hervorzuheben ist die Kombination aus kurzer Pflanzenlänge und geringer Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium. Darüber hinaus besticht PAMIER durch geringe Anfälligkeit für Mehltau und Roste.

Auf Grund der genannten Eigenschaften ist PAMIER nicht nur kostengünstig zu produzieren, sondern verfügt zudem über ein sehr hohes Ertragsniveau, vor allem in der geringeren Intensitätsstufe.

PAMIER verfügt über Qualitäten, die auf Eliteweizenniveau liegen. Backvolumen und Mehlausbeute sind die herausragenden Parameter für die Verarbeitungsindustrie. Für den Landwirt besonders interessant sind die stabil hohen Proteingehalte und Fallzahlen.

Mit PAMIER steht eine Sorte zur Verfügung, die gleichermaßen die Anforderungen von Landwirtschaft, Handel und Verarbeitungsindustrie erfüllt.


5.1.1.3 Produktionstechnik

Ertragsaufbau

PAMIER verfügt über eine mittlere bis hohe Bestockungsneigung. Ziel der Bestandesführung ist eine gleichmäßige Förderung der Bestandesdichte auf 500 bis 550 Ähren/m², der Kornzahl je Ähre und des Tausendkorngewichts.

Aussaat

Die Aussaat sollte nach guter Rückverfestigung der oberen Bodenschicht und Erstellung einer stabilen Saatbettstruktur zum ortsüblichen Termin erfolgen. Die Aussaatstärke richtet sich nach Saatzeitpunkt und Bodenzustand. Je nach Standort sollte die Aussaatstärke für günstige Aussaatbedingungen 280 bis 330 keimfähige Körner/m² (frühe Aussaat) oder 330 bis 380 keimfähige Körner/m² (normale Aussaat) und bei ungünstigen Aussaatbedingungen 400 bis 440 keimfähige Körner/m² (Spätsaat) betragen.

Düngung

Die N-Düngung ist der Ertragserwartung und den verfügbaren Bodenstickstoffgehalten anzupassen. Zur Sicherung der Qualität ist der erforderliche N-Bedarf durch eine gezielte pflanzenverfügbare N-Spätdüngung entsprechend der Ertragserwartung zu erfüllen.

Die N-Düngung ist auf die Erzeugung von Qualitätsweizen auszurichten:
N150-70 kg/ha Nals Startgabe zu Vegetationsbeginn
N250-70 kg/ha Nzu Schossbeginn im EC 30/31 - Förderung der Ährchenanlage
N3a40-60 kg/ha Nals vorgezogene Spätdüngung im EC 39/49 - Förderung des TKG
N3b40-60 kg/ha Nals Spätdüngung im EC 55/59 - Proteineinlagerung

Wachstumsregler

Zur Absicherung der Qualitätsweizenproduktion sollte der Wachstumsreglereinsatz gezielt vorgenommen werden. Bei sehr hohem Stickstoffniveau ist die Wachstumsreglermenge entsprechend anzupassen.

Empfehlung zum Wachstumsreglereinsatz
 mittleres Ertragsniveauhohes Ertragsniveau
EC 25 - 290,5-0,7 l/ha CCC (720)0,5-1,0 l/ha CCC (720)
EC 30 - 31-0,3-1,0 l/ha CCC (720)

Fungizide

PAMIER besitzt hervorragende Resistenzen gegenüber allen wichtigen Blatt- und Ährenkrankheiten. Der Schwerpunkt der Blattbehandlung liegt ab dem Stadium EC 32 bei HTR/DTR. Aus Gründen der Ertrags- und Qualitätssicherung sollte eine Ährenbehandlung durchgeführt werden.

5.1.1.4 Herstellerbeschreibung

5.1.2 Brilliant

5.1.2.1 Eigenschaften
  • Qualitätsstufe A
  • zeitige Abreife
  • breite Saatzeitspanne
  • beste Druscheignung


5.1.2.2 Beschreibung

BRILLIANT ist ein früher Qualitätswinterweizen mit einem ernormen Ertragspotenzial. Bei einer mittleren bis kurzen Pflanzenlänge weist BRILLIANT eine gute Standfestigkeit auf.

Überzeugend sind seine hervorragenden Resistenzen im Blatt- sowie im Ährenbereich. BRILLIANT besitzt gute ausgewogene Qualitäten. Hervorzuheben sind der gute Rohproteingehalt, Fallzahl, Volumenausbeute sowie die hohe Mehlausbeute.


5.1.2.3 Produktionstechnik

Ertragsaufbau

BRILLIANT verfügt über eine mittlere Bestockungsneigung. Ziel der Bestandesführung ist eine gleichmäßige Förderung der Bestandesdichte auf 500 bis 550 Ähren/m², der Kornzahl je Ähre und des Tausendkorngewichts.

Aussaat

Die Aussaat sollte nach guter Rückverfestigung der oberen Bodenschicht und Erstellung einer stabilen Saatbettstruktur zum ortsüblichen Termin erfolgen. Die Aussaatstärke richtet sich nach Saatzeitpunkt und Bodenzustand. Je nach Standort sollte die Aussaatstärke für günstige Aussaatbedingungen 230 bis 280 keimfähige Körner/m² (frühe Aussaat) oder 300 bis 350 keimfähige Körner/m² (normale Aussaat) und bei ungünstigen Aussaatbedingungen 400 bis 450 keimfähige Körner/m² (Spätsaat) betragen.

Düngung

Die N Düngung ist der Ertragserwartung und den verfügbaren Bodenstickstoffgehalten anzupassen. Zur Sicherung der Qualität ist der erforderliche N-Bedarf durch eine gezielte pflanzenverfügbare N-Spätdüngung entsprechend der Ertragserwartung zu erfüllen.

Die N-Düngung ist auf die Erzeugung von Qualitätsweizen auszurichten:
N150-60 kg/ha Nals Startgabe zu Vegetationsbeginn
N250-60 kg/ha Nzu Schossbeginn im EC 30/31 - Förderung der Ährchenanlage
N3a40-50 kg/ha Nals vorgezogene Spätdüngung im EC 39/49 - Förderung des TKG
N3b40-60 kg/ha Nals Spätdüngung im EC 55/59 - Proteineinlagerung

Wachstumsregler

Zur Absicherung der Qualitätsweizenproduktion sollte der Wachstumsreglereinsatz gezielt vorgenommen werden. Bei sehr hohem Stickstoffniveau ist die Wachstumsreglermenge entsprechend anzupassen.

Empfehlung zum Wachstumsreglereinsatz
 mittleres Ertragsniveauhohes Ertragsniveau
EC 25 - 290-0,7 l/ha CCC (720)0,5-1,0 l/ha CCC (720)
EC 30 - 31-0,5-1,0 l/ha CCC (720)

Fungizide

BRILLIANT besitzt sehr gute Resistenzen gegenüber allen wichtigen Blattkrankheiten. Aus Gründen der Ertrags- und Qualitätssicherung sollte eine Ährenbehandlung durchgeführt werden.

5.1.2.4 Herstellerbeschreibung

6 Dateien

7 Quellen

1 DIEPENBROCK et al. 2005, S. 176

2 DIEPENBROCK et al. 2005, S. 177

3 KÜBLER 1994, S. 15

4 KÜBLER 1994, S. 37

5 DIEPENBROCK et al. 2005, S. 179

6 Wasserverbrauch in l/kg gebildete Trockenmasse

7 KÜBLER 1994, S. 39

8 KÜBLER 1994, S. 38

9 STOCK & DIEPENBROCK 1999, S. 16

10 STOCK & DIEPENBROCK 1999, S. 15

Kategorien: Pflanzenbau

Letzte Änderung dieses Artikels: May 02, 2011, at 10:25 AM